Im Hörsaal wird Sursilvan gesprochen, auf dem Gang wechseln Studierende ins Vallader oder Puter, im Seminar wird auf Deutsch diskutiert und zwischendurch auf Italienisch nachgefragt. Wer an der Pädagogischen Hochschule Graubünden studiert oder arbeitet, erlebt jeden Tag, wie selbstverständlich sich Deutsch, Romanisch und Italienisch auf dem Campus begegnen: Mehrsprachigkeit ist hier keine Theorie, sondern gelebter Alltag.
Gemeinsam über die Idiomgrenzen hinweg
Die Ausbildung von Lehrpersonen für den romanischen Sprachraum gehört zu den Kernaufgaben der PH Graubünden. Die Studierenden bringen unterschiedliche sprachliche Hintergründe mit: Sie sprechen Sursilvan, Vallader, Puter, Surmiran oder Sutsilvan. Einige schreiben in Rumantsch Grischun. Was zu Beginn noch verschieden klingt, wächst rasch zusammen: Bereits nach einem Semester verstehen sich die Studierenden über die Idiomgrenzen hinweg. So erweitern die Studierenden ihre sprachlichen Kompetenzen und entwickeln zugleich ein gemeinsames Verständnis für die Vielfalt des Romanischen.
Im Studium erwerben sie das fachliche, sprachliche und didaktische Wissen, um Romanisch zu unterrichten und die Mehrsprachigkeit an Bündner Schulen zu fördern. Romanisch wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer integrierten Mehrsprachigkeitsdidaktik verstanden. Die Studierenden lernen, die vorhandenen Sprachkenntnisse der Kinder miteinander zu verbinden und für das weitere Lernen zu nutzen. Dank der engen Verbindung von Theorie und Praxis können die Studierenden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar für ihren Unterricht nutzen.
Damit leistet die PH Graubünden einen entscheidenden Beitrag zur Zukunft des Romanischen. Denn die Schule ist einer der wichtigsten Orte, an denen die Sprache an die nächste Generation weitergegeben wird – und dafür braucht es qualifizierte Romanischlehrpersonen.
Vom Forschungsprojekt ins Klassenzimmer
Wie gelingt guter Romanischunterricht? Welche Lehrmittel unterstützen Lehrpersonen am besten? Und wie entwickelt sich das Romanische in einer mehrsprachigen Gesellschaft?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Forschenden der Professur für Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik der PH Graubünden. Dabei arbeiten die Forschenden eng mit Schulen zusammen. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen in neue Lehrmittel und Unterrichtskonzepte ein – und gelangen so dorthin, wo sie gebraucht werden: ins Klassenzimmer.
Ein Beispiel ist Mediomatix, eine Reihe moderner Lehrmittel für alle fünf romanischen Idiome. Daneben entwickelt die Professur mit Avraportas eine Lehrmittelreihe für Romanisch als Zweit- und Fremdsprache kontinuierlich weiter. Auch an nationalen Forschungsprojekten ist sie beteiligt, darunter ein vom Schweizerischen Nationalfonds unterstütztes Projekt zur Sprachvariation im rätoromanischen Raum.
Die PH Graubünden arbeitet ausserdem mit anderen Schweizer Hochschulen und Universitäten zusammen, die sich mit romanischer Sprache, Kultur und Didaktik befassen. Dabei bringt sie ihre Expertise in gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte ein. Der fachliche Austausch stärkt das wissenschaftliche Netzwerk und trägt dazu bei, das Romanische als Bildungs- und Forschungssprache weiterzuentwickeln. Gleichzeitig fördert die PH Graubünden konsequent den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Wie das Wissen die Schulen erreicht
Nicht nur über die Ausbildung angehender Lehrpersonen gelangen neue Erkenntnisse an die Schulen. In Weiterbildungen und an Fachveranstaltungen lernen bereits tätige Lehrpersonen aktuelle Forschungsergebnisse, Unterrichtskonzepte und neue Lehrmittel kennen. Sie erhalten damit praxisnahe Anregungen, die sie unmittelbar in ihrem Romanischunterricht aufgreifen können.
So wirkt die Arbeit der PH Graubünden über den Campus hinaus: Forschung wird für die Praxis nutzbar, neue Lehrmittel finden Eingang in den Unterricht und Lehrpersonen erhalten Unterstützung bei der Vermittlung des Romanischen.
Mehr als ein Studienangebot
Romanisch ist an der PH Graubünden weit mehr als ein Unterrichtsfach. Das zeigt sich auch im Hochschulalltag: Mitarbeitende bringen ihre Sprachkompetenzen selbstverständlich in ihre Arbeit ein und Sitzungen finden mehrsprachig statt. Diese gelebte Dreisprachigkeit prägt die Kultur der PH Graubünden – und macht sie schweizweit einzigartig.
Mehrsprachigkeit ist hier weit mehr als ein Bildungsauftrag. Sie ist Teil der Identität der Hochschule und eine Stärke, die Forschung, Lehre und Zusammenarbeit gleichermassen bereichert.