AMuG Andeer

2. Oktober 2026 um 17 Uhr - Finissage mit Umtrunk, Veia Granda 133. Bild: Samirah Hohl, © 2026.

AMuG
Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG)

Die lokale Umgebung aus den Perspektiven der Kulturellen Bildung und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung kennenlernen, hinterfragen und weitergestalten.

AMuG – die Idee

Eine Historikerin und Fachdidaktikerin des Bereichs Natur, Mensch, Gesellschaft und ein bildender Künstler und Fachdidaktiker des Bildnerischen Gestaltens entwickeln mit dem Archäologischen Museum für Gegenwart ein interdisziplinäres Projekt: Lernende von drei 5./6. Primarschulklassen setzen sich dabei historisch, künstlerisch und im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung mit Überresten aus ihrer lokalen Umgebung auseinander. Die Lernenden bringen dafür einen alten sowie einen neuen Überrest in den Unterricht mit. Zu Beginn beschreiben sie deren Herkunft, Material und Verwendungszweck. In einem zweiten Schritt prüfen sie beim alten Überrest, inwiefern es sich um ein Kulturgut handelt; mit dem Überrest der Gegenwart setzen sie sich künstlerisch auseinander, damit dieser gemäss BAK-Checkliste ebenfalls als Kulturgut eingestuft werden kann. Dann planen, entwickeln und realisieren die Kinder anhand der Überreste ein Museum in zwei Kammern (Geschichte/Kunst) eines nicht mehr gebrauchten Stalls.

Team

Projektleitung

Sabine Bietenhader – Historikerin und Fachdidaktikerin des Bereichs Natur, Mensch, Gesellschaft, Dozentin PHGR

Lukas Bardill – bildender Künstler und Fachdidaktiker des Bildnerischen Gestaltens, Dozent PHGR

Wissenschaftliche Mitarbeit

Yara Peretti – Primarlehrerin, Studentin Fine-Arts ZHdK

Michelle Abeni – Studentin PHGR

Critical Friend

Dr. Bernhard Matter – Fachdidaktiker für Mathematik, Dozent PHGR

Partnerinnen und Partner

Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte

Beisheim Stiftung

Naturpark Beverin

éducation 21

Archäologischer Dienst Graubünden

Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Graubünden

Walservereinigung Graubünden

Gemeinde Andeer

Gemeinde Rheinwald

Gemeinde Safiental

Netzwerk

Kulturvermittlung Schweiz

Schweizer Heimatschutz

Bündner Heimatschutz

Valendas Impuls

Kursangebot «Wir machen Museum»

Der Lehrplan 21 verlangt von den Schülerinnen und Schülern einige Kompetenzen. Wie wäre es, wenn Sie diese Fähigkeiten ausserhalb der Schule erlernen würden? Zum Beispiel in einem nicht mehr gebrauchten Stall, der zu einem Museum aufgewertet wird?

Am 29.11.2025 gewähren wir im Rahmen eines Kurses Einblick in das Archäologische Museum für Gegenwart (AMuG) in Flerden. Das AMuG wurde von der 5. und 6. Klasse in Flerden realisiert. Ausgehend von diesem konkreten Beispiel werden wir das reichhaltige Spektrum für Lerngelegenheiten ins Blickfeld rücken und gemeinsam der folgenden Frage nachgehen: Wie kann die lokale Umgebung aus den Perspektiven der Kulturellen Bildung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung kennengelernt, hinterfragt und weitergestaltet werden?

Der Kurs soll die Lust wecken, mit einer Schulklasse eine eigene Ausstellung im Museum zu realisieren. Die Kursteilnehmenden lernen die dafür nötigen Umsetzungsschritte und verschiedene Möglichkeiten des Ausstellungsaufbaus kennen und profitieren von vielfältigen Erfahrungswerten aus der Praxis.

Dabei kommen auch Fragen zur Erstellung eines Budgets und die Möglichkeiten zur Projekt-Finanzierung zur Sprache.

Referent:innen: Lukas Bardill und Sabine Bietenhader

Datum: 29.11.2025, 10:15 Uhr bis ca. 16:30 Uhr
Ort: Kursraum in Thusis, Chur/Stall Meyer, Flerden
Kosten: CHF 90.– inkl. Mittagessen (CHF 70.– für MGR- und LEGR-Mitglieder)
Anmeldeschluss: 01.11.2025

Projekte

2026 - AMuG in Andeer

AMuG in Andeer/Val Schons

Am 31. März 2026 wird mit der 6. Klasse in Andeer das Archäologische Museum für Gegenwart aufgebaut und eröffnet. Am 2 Oktober wird es seine Türen schliessen. Dazu laden Die Schülerinnen und Schüler der ehemaligen 6. Klasse zur Finissage mit anschliessendem Umtrunk ein.

Zur Dokumentation

Bild Links: Während der Museumseröffnung. Fotografie: Samirah Hohl, © 2026.

2026 - AMuG in Splügen

AMuG in Splügen/Rheinwald

Am 27. März 2026 wird mit der 5./6. Klasse in Splügen das Archäologische Museum für Gegenwart aufgebaut und eröffnet. Am 22 Juni 2026 schliesst es seine Türen. Dazu laden Die Schülerinnen und Schüler der ehemaligen 5./6. Klasse zur Finissage mit Spiel und Umtrunk ein.

Zur Dokumentation

Bild Links: Medieninteresse im Vorfeld der Eröffnung . Fotografie: Lukas Bardill, © 2026.

2025 - AMuG in Flerden

Wann:
Fr, 16. Mai 2025, 17 bis 18 Uhr

Wo:
Im Stall Meyer
7426 Flerden

Einladungskarte zur Eröffnung
Flyer Termine, Öffnungszeiten

Die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse aus Flerden, Tschappina und Urmein laden zur Eröffnung des Archäologischen Museums für Gegenwart, kurz «AMuG», ein. Am Freitag, 16. Mai 2025 um 17 Uhr eröffnen sie im Stall Meyer nicht nur eine, sondern gleich zwei Ausstellungen.

Die kulturhistorische Ausstellung

Auf einer Reise durch verschiedene Zeiten zeigen die Schülerinnen und Schüler Kulturgüter aus ihrem lokalen Umfeld, welche sie nach historischen Methoden untersucht haben. Diese reichen von der Polsterfeder über die Gepse bis hin zur Langspielplatte mit Bündner Volksliedern.

Die Kunstausstellung

Im anderen Museumsteil inszenieren die Schülerinnen und Schüler Überreste aus ihrem Lebensalltag. So haben sie mit Methoden der zeitgenössischen Kunst beispielsweise eine Untertasse, einen Fahrradschraubschlüssel und eine Streichholzschachtel mit einem Bild der Hofburg zu Wien zu einem Werk mit künstlerischem Anspruch aufgewertet.

Dokumentationsstelle

Ergänzend zur Ausstellung vermitteln die Schülerinnen und Schüler auf Tablets mit Audio-Interviews und vertieften Recherchen spannendes Hintergrundwissen zu den Exponaten.

2023 - AMuG Valendas

In zwei Projektblöcken arbeiteten die Kinder in Valendas mit ihren mitgebrachten Überresten. Sie fanden Informationen zu den alten Überresten heraus und transformierten die zeitgenössischen Überreste in Kunstobjekte. Als Projektabschluss richteten sie die beforschten und transformierten Überreste als Ausstellungsexponate her und präsentierten sie in einem zum Museum umgebauten Stall in Valendas. Das Ergebnis waren ein historisches Museum und ein Kunstmuseum unter einem Dach.

2019 - AMAMuG Chur und Trimmis

Die Pilotdurchführung von AMuG fand in zwei Primarschulen in Chur und Trimmis statt. An mehreren Projekttagen arbeiteten die Kinder an selbst mitgebrachten Überresten. Die Projekttage mündeten in eine Ausstellung der aufbereiteten Überreste an der PH Graubünden.

Tagungen, Symposien, Kongresse

2026 - Kongressbeitrag an Pädagogischen Hochschule St. Gallen

"Bildung für eine lebenswerte Zukunft" - Jahreskongresse der SGBF/SGL

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Am 17. bis 19. Juni 2026 an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen

Kulturelle Teilhabe und multiperspektivisches Lernen im Sachunterricht peripherer Räume: Das Projekt Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG)

Forschungsziel

Das Ziel des interdisziplinären Projekts Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG) ist der Einblick, wie 11- bis 12-Jährige in peripheren Talschaften des Kantons Graubünden durch die Realisierung eines interdisziplinären Museums kulturelle Teilhabe erleben: Die Primarschulkinder setzen sich dabei historisch, künstlerisch und im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung mit Überresten aus ihrer lokalen Umgebung auseinander. Sie bringen dafür alte und neue Überreste in den Unterricht und prüfen, inwiefern es sich um Kulturgüter handelt [1]. Anschliessend planen, entwickeln und realisieren sie eine zweiteilige Ausstellung in einem nicht mehr gebrauchten Stall: in der einen Kammer durch die Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge (Geschichte/Fakten) mit älteren Überresten, in der anderen Kammer durch die Transformation mittels künstlerischer Praxis mit neueren Überresten (Geschichten/Fiktionen). Dabei soll untersucht werden, welche interdisziplinären Lernprozesse sich im Zusammenwirken von Bildnerischem Gestalten und Geschichte herausbilden.

Theoretischer Hintergrund

Rekonstruktive und dekonstruktive Denkvorgänge gelten als zentrale Kompetenzen historischen Lernens. Durch die Arbeit mit unterschiedlichen Quellen und widersprüchlichen Darstellungen erhalten Lernende Gelegenheiten, den Konstruktcharakter von Geschichte zu erkennen, verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen und historische Deutungen kritisch zu hinterfragen (vgl. Kübler 2018). Dekonstruktive Zugänge sind gleichermassen für die Auseinandersetzung im Fach Kunst (Bildnerisches Gestalten) wichtig. Sie bilden die Grundlage, um Sachverhalte anders zu betrachten, weil darauf aufbauend transformative Prozesse hin zu eigenen Ideen freigesetzt werden können (vgl. Mörsch, 2009).
Basierend auf Lee und Ashbys Konzept des domain-specific knowledge (vgl. Lee & Ashby, 2000) wird davon ausgegangen, dass historisches Denken nur dann möglich ist, wenn Lernende über ein grundlegendes Repertoire an inhaltlichem Wissen verfügen. Faktenkenntnisse («substantives Wissen») bilden nach Lee und Ashby die notwendige Voraussetzung, um komplexere historische Denkprozesse («second-order concepts») – wie das Arbeiten mit Quellen, das Entwickeln von Narrationen oder das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven – überhaupt leisten zu können. Ein vergleichbarer domänenspezifischer Zugang zeigt sich auch im künstlerischen Arbeiten. Auf der Grundlage ästhetischer Erfahrungen und Wissensbestände treffen die Lernenden begründete Entscheidungen, handeln Bedeutungen aus und reflektieren Gestaltungsprozesse. Das Projekt greift diese theoretische Grundlage auf, indem es Lerngelegenheiten schafft, in denen SuS – entsprechend ihrer jeweiligen Fachdomäne – eigene historische Rekonstruktionen entwickeln oder künstlerisch-ästhetische Praktiken explorieren, transformieren und kritisch reflektieren. Von Interesse ist, ob und wie ein interdisziplinärer Zugang sich auf disziplinäres Denken auswirkt. Interdisziplinarität versteht Frédéric Darbellay (2012) als erkenntnistheoretisch fundierte Wissensproduktion, bei der disziplinäre Grenzen gezielt überschritten werden. Darauf aufbauend lautet die zentrale Fragestellung: Inwiefern unterstützt bzw. hemmt die interdisziplinäre Herangehensweise das historische Denken (rekonstruktiv, dekonstruktiv) und die künstlerische Praxis (dekonstruktiv, transformativ) von Kindern der 5./6. Primarklasse in peripheren Talschaften des Kantons Graubünden im Rahmen der partizipativen Realisierung eines Museums in einem leerstehenden Stall?  

Forschungsdesign und -methode

Die Entwicklung und Durchführung des Projekts folgt dem Ansatz des Educational Design Research (EDR). Dieser methodische Zugang erweist sich für komplexe interdisziplinäre Lehr- und Lernarrangements als besonders geeignet, da das Unterrichtssetting in iterativen Zyklen aus Analyse, Design, Evaluation und Revision systematisch weiterentwickelt wird (vgl. McKenney & Reeves, 2018). Auf dieser Grundlage wurden die bisherigen Durchführungen des AMuG-Projekts in Valendas (2023) und Flerden (2025) analysiert. Aktuell lassen sich zwei zentrale Befunde ableiten, die für die Weiterentwicklung des Projekts richtungsweisend sind:

1. Domänenspezifisch definierte Einheiten bieten Primarschulkindern eine zentrale Orientierung und bilden die Grundlage für einen multiperspektivischen Zugang zur fachübergreifenden Projektanlage. Dies führt zu einer bewussten Verschiebung von einer transdisziplinären hin zu einer interdisziplinären Unterrichtsanlage.

2. Mit dem gezielten Einplanen von Reflexionsmomenten sollen die Lernenden in der kritischen Prüfung eigener und fremder Ideen, in ihrer Entscheidungsfindung und in der Verantwortungsübernahme weiter gestärkt werden. Die Konzeption der Aufgabenanlagen wird dahingehend überarbeitet.

[1] Grundlage bildet dafür die Checkliste «Kulturgut» gemäss Bundesamt für Kultur (BAK), downloadbar unter dem folgenden Link: https://www.bak.admin.ch/bak/de/home/kulturerbe/kulturguetertransfer/was-versteht-das-kulturguetertransfergesetz--kgtg--unter-einem-k.html

Bibliografie

Darbellay, F. (Hg.) (2012). La circulation des savoirs. Interdisciplinarité, concepts nomades, analogies, métaphores. Bern: Peter Lang.

Kübler, M. (2018). Zeit, Dauer und Wandel verstehen – Geschichte und Geschichten unterscheiden – Historisches Lernen bei 4- bis 11-jährigen Kindern. In M. Adamina et. al. (Hg.), «Wie ich mir das vorstelle …». Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern zu Lerngegenständen des Sachunterrichts und des Fachbereichs Natur, Mensch, Gesellschaft (231-252). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Lee, P. & Ashby, R. (2000). Progression in Historical Understanding among Students Ages 7–14. In P. Stearns, P. Seixas & S. Wineburg (Hrsg.), Knowing, Teaching, and Learning History. National and International Perspectives (S. 199–222). New York: New York University Press.

McKenney, S., & Reeves, T. C. (2018). Conducting educational design research (2nd ed.).
Routledge.

Mörsch, C. (2009). Am Kreuzungspunkt von vier Diskursen: Die documenta 12 Vermittlung zwischen Affirmation, Reproduktion, Dekonstruktion und Transformation. In C. Mörsch (Hg.), Kunstvermittlung II (9-34). Zürich-Berlin: Diaphanes.

2026 - Tagungsbeitrag an der Technischen Universität Chemnitz

"Gesellschaft im Wandel und die Relevanz des Sachunterrichts" - 35. Jahrestagung der GDSU

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Am 26. bis 28. März 2026 an der Technischen Universität Chemnitz

Kulturelle Teilhabe und multiperspektivisches Lernen im Sachunterricht peripherer Räume: Das Projekt Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG)

Das interdisziplinäre Projekt Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG) eröffnet neue Perspektiven für die Didaktik des Sachunterrichts, indem es die Förderung historischer Orientierung, kultureller Teilhabe und künstlerisch-reflexiver Praxis in den Fokus stellt. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen zur kulturellen Bildung im Sachunterricht (vgl. Kübler 2018; Mörsch 2009; Sternfeld 2014) wird im vorliegenden Projekt untersucht, wie Kinder im peripheren Raum des Kantons Graubünden ihre Lebensumwelt multiperspektivisch erschliessen und im Dialog mit anderen kulturell deuten und gestalten können.

Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie können interdisziplinäre Verfahren im Sachunterricht – verstanden als Verbindung von historisch-rekonstruktivem und künstlerisch-transformativem Lernen – dazu beitragen, disziplinäres Denken zu fördern und kulturelle Teilhabe von Kindern in ländlichen Räumen zu stärken?

11- bis 12-Jährige setzen sich historisch, künstlerisch und im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung mit Überresten aus ihrer lokalen Umgebung auseinander. Sie bringen dafür alte und neue Überreste in den Unterricht mit, beschreiben deren Herkunft, Material und Verwendungszweck und prüfen, inwiefern es sich um ein Kulturgut handelt.1 Anschliessend planen, entwickeln und realisieren die Kinder eine zweiteilige Ausstellung in einem nicht mehr gebrauchten Stall: in der einen Kammer durch die Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge (Geschichte/Fakten), in der anderen Kammer durch die Transformation in der künstlerischen Auseinandersetzung mit neuen Überresten (Geschichten/Fiktionen).

Durch die Verbindung rekonstruktiver, dekonstruktiver und transformativer Verfahren (vgl. Kübler 2018; Mörsch 2009) erproben die Kinder zentrale Konzepte historischen und kulturellen Lernens im Sachunterricht und erleben sich zugleich aktiv als Gestalter:innen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Dabei wird deutlich, dass Interdisziplinarität im Sinne Darbellays (2012) sowohl disziplinäres Lernen unterstützt als auch überfachliche Kompetenzen (Verantwortung, Partizipation, Dialogfähigkeit) stärkt.

Das AMuG verdeutlicht somit das Innovationspotenzial interdisziplinärer Ansätze für die Didaktik des Sachunterrichts: Es zeigt, wie kulturelle Teilhabe in peripheren Räumen ermöglicht werden kann, indem Lernende in gesellschaftlich relevante Gestaltungsprozesse eingebunden werden und multiperspektivisches Lernen konkret erfahrbar wird.

2025 - Tagungsbeitrag an der Universität Wien

„Teilhabe, Demokratie und Diskursfähigkeit in Zeiten der Unsicherheit“ – Interdisziplinäre Tagung an der Universität Wien

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Am 22. November 2025 am Zentrum für Lehrer*innenbildung, Universität Wien

Kulturelle Teilhabe und multiperspektivisches Lernen im peripheren Raum: Das Projekt Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG)

Das AMuG-Projekt bringt Lernende dazu, sich historisch, künstlerisch und im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) mit Überresten aus ihrer lokalen Umgebung auseinanderzusetzen. Zwei Fragen sind dafür handlungsleitend: Wie bewältigen elf- bis zwölfjährige Schülerinnen und Schüler in peripheren Talschaften des Kantons Graubünden den Aufbau und den Unterhalt einer Museumsausstellung im Sinne der kulturellen Teilhabe? Welche Lernprozesse lassen sich im Zusammenwirken von Kunst und Geschichte beschreiben?

Sie bringen dafür alte und neue Überreste[1] in den Unterricht, beschreiben deren Herkunft, Material und Verwendungszweck und prüfen, ob es sich um ein Kulturgut handelt. Anschliessend planen, entwickeln und realisieren sie ein Museum mit einer zweiteiligen Ausstellung in einem leerstehenden Stall: In der einen Ausstellung rekonstruieren sie mit älteren Überresten historische Zusammenhänge (Geschichte/Fakten), in der anderen transformieren sie neuere Überreste künstlerisch (Geschichten/Fiktionen). Durch rekonstruktive, dekonstruktive und transformative Verfahren (vgl. Kübler 2018; Mörsch 2009) sollen domänenspezifisches Denken und Handeln in Geschichte und Kunst entwickelt werden. Interdisziplinarität wird dabei im Sinne Darbellays (2012) als erkenntnistheoretisch fundierte Wissensproduktion verstanden, bei der disziplinäre Grenzen gezielt überschritten werden. Das AMuG ermöglicht Lernen in und mit der Gesellschaft: Die Kinder gestalten ein öffentliches Museum, übernehmen Verantwortung und verhandeln Bedeutungen historischer und künstlerischer Kulturgüter im Dialog.

Sabine Bietenhader und Lukas Bardill, 22. November 2025 



[1] Die Quellentypologie nach Ahasver von Brandt unterscheidet Traditionen und Überreste. Die von den Schülerinnen und Schüler mitgebrachten alten und neuen Erzeugnisse entsprechen den Sachüberresten. Sie können somit der Quellengruppe der Überreste zugewiesen werden (vgl. von Brandt 1986).

2025 - Kolloquium an der PH Graubünden, Chur

Chur, 13. März 2025, 16.00 – 17.30 Uhr an der PH Graubünden

Fakt oder Fiktion? Lernende erschliessen Bedeutungen durch historische und künstlerische Methoden, um diese innerhalb historischer und künstlerischer Diskurse zu kontextualisieren 

Mit dem interdisziplinären Entwicklungsprojekt Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG) verfolgen eine Historikerin und Fachdidaktikerin des Bereichs Natur, Mensch, Gesellschaft und ein bildender Künstler und Fachdidaktiker des Bildnerischen Gestaltens einen partizipativen Ansatz, der die Lernenden aktiv in die Reflexion, Gestaltung und Verantwortung kultureller Prozesse einbindet. 

Lernende von 5./6. Primarschulklassen setzen sich dabei historisch, künstlerisch und im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung mit Überresten aus ihrer lokalen Umgebung auseinander. Sie bringen dafür alte und neue Überreste in den Unterricht mit, beschreiben deren Herkunft, Material und Verwendungszweck und prüfen beim alten Überrest, inwiefern es sich um ein Kulturgut handelt; mit dem neuen Überrest setzen sie sich künstlerisch auseinander. Anschliessend planen, entwickeln und realisieren die Kinder eine Ausstellung in einem nicht mehr gebrauchten Stall: in der einen Kammer durch die Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge (Geschichte/Fakten), in der anderen Kammer durch die Transformation in der künstlerischen Auseinandersetzung mit neuen Überresten (Geschichten/Fiktionen).

Mitwirkende Lehrpersonen und Studierende erhalten auf diese Weise Einblicke in aktuelle fachdidaktische Fragestellungen sowie in domänenspezifisches Wissen der Bereiche Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) und Bildnerisches Gestalten (BG).

Eine erste mögliche Forschungsfrage in diesem Kontext könnte untersuchen, inwieweit der projektorientierte Unterricht des AMuG-Projekts das historische Denken und die künstlerische Praxis der Lernenden beeinflusst. (vgl. Mörsch, 2009; Kübler et al., 2023; Sternfeld et al., 2015, Bertram, 2022)

Eine zweite mögliche Forschungsfrage könnte untersuchen, inwiefern Lernende Fakten und Fiktionen unterscheiden, indem sie deren Bedeutungen durch historische und künstlerische Methoden erschliessen und innerhalb historischer und künstlerischer Diskurse kontextualisieren. (vgl. Derrida, 1968/1982; Foucault, 1969; Arendt, 1971)

Sabine Bietenhader und Lukas Bardill, 5. Februar 2025 

2024 - Tagungsbeitrag Kulturvermittlung Schweiz in Freiburg

Tagung «Kulturelle Teilhabe: Next Level»

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Freiburg, 7. November 2024 

Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG).

Die lokale Umgebung aus den Perspektiven der Kulturellen Bildung und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung kennenlernen, hinterfragen und weitergestalten.

Primarschulkinder aus peripheren Gebieten planen, entwickeln und realisieren das Archäologische Museum für Gegenwart in einem nicht mehr gebrauchten Stall. Sie setzen sich sowohl eigenverantwortlich als auch in Teamarbeit mit alten und neuen Kulturgütern historisch und künstlerisch auseinander. Dadurch wird ihr historisches Denken und künstlerisches Handeln gefördert (vgl. Rekonstruktions-, Dekonstruktions- und Transformationsprozess: Mörsch, 2009, Kübler et al. 2023, Sternfeld et al. 2015). Durch die Stärkung der kulturellen Teilhabe in zentrumsfernen Schulen leistet das Projekt einen Beitrag zur Chancengleichheit. Die Primarschulkinder lernen, kuratorische Entscheide nachzuvollziehen und zu prüfen, indem sie die Mehrperspektivität verschiedener Erzähl- und Argumentationsweisen in Betracht ziehen.

Lukas Bardill und Sabine Bietenhader, 7. November 2024

2024 - Ideenforum von é21 und PH Bern an der PHZH in Zürich

Ideenforum von „Rendez-vous BNE #3 – Projekte für Schule und Unterricht“

Zürich, 1. März 2024 

Fazit der Diskussion zum Beitrag "Archäologisches Museum für Gegenwart (AMuG)"

Das Projekt ist sowohl für BNE-Experten und -Expertinnen, Lehrpersonen Zyklus 2 als auch für ausserschulische Akteurinnen und Akteuren interessant und anschlussfähig.

Besonders vielversprechend ist das Fazit, welches sich bei den Diskussionen zum AMuG-Projekt herauskristallisiert:, Die kulturelle Teilhabe sei im aktuellen Konzept der BNE noch zu wenig etabliert. In diesem Bereich gäbe es kaum Projekte. Der Aspekt der kulturellen Teilhabe wird am Ideenforum somit vertieft diskutiert und Mitglieder von éducation21 weisen darauf hin, mit dem AMuG-Projekt dieses Desiderat ins Blickfeld zu rücken. Es wird ausdrücklich begrüsst, das AMuG-Projekt an weiteren Veranstaltungen zu präsentieren – insbesondere mit dem Fokus auf die kulturelle Teilhabe.

Sabine Bietenhader und Lukas Bardill, 1. März 2024

Kontakt

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