Bäckt man mams, papas oder doch eher bumas?
Studienteilnehmende für digitalen Atlas des Rätoromanischen gesucht

Das Team des «Atlas dal Grischun Rumantsch» sucht romanischsprachige Personen für Sprach- und Tonaufnahmen. Ziel der von der Pädagogischen Hochschule Graubünden durchgeführten Studie ist es, die sprachliche Vielfalt des Romanischen zu erfassen und in einem digitalen Sprachatlas sichtbar zu machen. Der künftige Sprachatlas soll sowohl als Datengrundlage für die Wissenschaft dienen als auch der breiten Öffentlichkeit einen Zugang zu romanischem Kulturgut bieten.

Während für andere Schweizer Landessprachen bereits digitale Atlanten existieren, fehlt es bislang an einer umfassenden Dokumentation des aktuell gesprochenen Romanischen. Für den Sprachatlas werden deshalb 300 Personen aus dem gesamten romanischsprachigen Gebiet zu ihrer Mundart befragt. Das Fragematerial ist so konzipiert, dass möglichst viele Aspekte der Sprache untersucht werden können: Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Alltagssprache. Teilnehmende durchlaufen unterschiedliche Aufgaben in einem etwa dreistündigen Interview. Eine vollständige Teilnahme wird mit CHF 100 entschädigt.

Aufruf zur Teilnahme

Gesucht sind Personen aller Altersgruppen, die bereits als Kinder in ihrer Familie Romanisch gesprochen haben und die Sprache auch heute noch im Alltag verwenden. Zudem sollen die Teilnehmenden nach wie vor – oder wieder am selben Ort leben, an dem sie aufgewachsen sind. Diese Kriterien stellen unter anderem sicher, dass die aufgenommenen Sprachdaten miteinander vergleichbar sind.

Interessierte, die diese Voraussetzungen erfüllen, können ab dem 21.08.2026 über folgenden Link mit dem Forschungsteam Kontakt aufnehmen, um an der Studie teilzunehmen: phgr.ch/atlas-rumantsch 

Auch Personen, die selbst nicht teilnehmen, können das Projekt unterstützen, in dem sie den Aufruf im Freundes- und Bekanntenkreis weiterleiten.

Resultate aus Vorstudie: Bäckt man mams, papas oder doch eher bumas?

Im Rahmen einer Vorstudie, an der über 1'000 Personen teilgenommen haben, wurden letztes Jahr Sprachdaten mittels Online-Umfrage gesammelt. Die Resultate zeigen, wie sich das gesprochene Romanisch nach wie vor regional und lokal, aber auch zwischen verschiedenen sozialen Gruppen unterscheidet. So bäckt man beispielsweise in Sedrun zu Weihnachten creflis oder mams, in Savognin biscuits oder momas und in Scuol wiederum past(in)as oder grassins (siehe Beispielkarte). Das Romanische kennt etliche Bezeichnungen für «Guetzli». Gleichzeitig nennen zum Beispiel jüngere Personen aus Disentis/Mustér die «Geiss» heute eher caura und nicht mehr wie früher tgaura. Auch die Art und Weise, wie die Sprache in der Familie und im lokalen Umfeld erworben wird, wirkt sich auf das gesprochene Romanische aus, so etwa bei der Auswahl von Vergangenheitsformen je nach Kontext.

Sprachatlanten verschriftlichen solche gesprochenen Unterschiede, die einem sonst nur flüchtig vom Hören bekannt sind.

Vierjährige Projektlaufzeit

Das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Projekt dauert vier Jahre und wird an der Pädagogischen Hochschule Graubünden in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg durchgeführt. Die Leitung liegt bei der Professur für Rätoromanisch der Universität Freiburg.

Moderne Ansätze der Dialektforschung

Sprachatlanten greifen auf eine lange wissenschaftliche Tradition zurück. Dabei wurden früher hauptsächlich ältere, in der Landwirtschaft tätige Männer befragt, um möglichst «unverändertes» und «authentisches» Sprachmaterial zu erhalten. In moderneren Studien wird aber auch darauf geachtet, die gesamte Bevölkerung hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildung und weiterer sozialer Faktoren abzubilden. Auch im «Atlas dal Grischun Rumantsch» werden diese Faktoren berücksichtigt.

Kontakt:

Pädagogische Hochschule Graubünden
Projektleiter: Matthias Grünert, Universität Freiburg/Schweiz und Pädagogische Hochschule Graubünden, Forschung & Entwicklung, matthias.gruenert@phgr.ch oder atlas.rumantsch@phgr.ch, +41 26 300 79 27, +41 78 813 39 63

 

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Das Romanische hat an der Pädagogischen Hochschule Graubünden einen besonderen Stellenwert. Als Hochschule des dreisprachigen Kantons trägt sie Verantwortung für die Förderung und Weiterentwicklung der rätoromanischen Sprache. Doch wie zeigt sich dieses Engagement im Hochschulalltag – und was bewirkt es über den Campus hinaus?

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