Wissenschaftliche Tagung
VALS-ASLA Tagung 2027

Die VALS-ASLA Tagung 2027 wird von der Pädagogischen Hochschule Graubünden ausgerichtet. Das Thema der Tagung lautet «In Beziehung zur Sprache: Spracheinstellungen in Gesellschaft, Familie und Schule». In diesem Rahmen soll der prägenden Rolle von Spracheinstellungen in verschiedenen Bereichen unseres Alltags und Zusammenlebens aus verschiedenen Perspektiven nachgegangen werden.


* Bild: Bouba-Kiki-Effekt (vgl. Köhler, 1929)

Datum

28.01.2027 - 29.01.2027

Zeit

- siehe Programm -

Ort

Chur, PH Graubünden

Veranstalter

PH Graubünden

Alles Wissenswerte zur Tagung

Programm

Die Tagung beginnt am 28. Januar 2027 etwa um 10.15 Uhr und endet am 29. Januar 2027 gegen 17.00 Uhr. Genauere Angaben und das Konferenzprogramm folgen.

Keynotes

Ruth Kircher

Language attitudes in the family: Parents’ multidimensional beliefs and their implications for multilingual parenting

 

Theoretical models have long posited that parents’ attitudes towards multilingualism influence the linguistic input provided to their children (e.g. De Houwer 1999). Yet, this constitutes a relatively recent area of empirical enquiry: Surrain & Luk (2019; 2023) were the first to confirm a significant relationship between such attitudes and a range of home language practices to promote children’s multilingual development. But what exactly do we know about parents’ beliefs about childhood multilingualism? And do they influence parents’ decision to raise their children multilingually in the first place?

In this talk, I will present recent research from North America and Europe to answer these questions, beginning with a quantitative survey study conducted in Canada (Kircher et al. 2022). In this study, we established that parents’ attitudes towards childhood multilingualism have a multidimensional structure comprising status (linked to utilitarian value), solidarity (linked to social group memberships), and cognitive development (linked to reasoning and learning abilities). A subsequent study of qualitative survey data from the same participant sample (Kircher et al. under review) revealed a potential additional dimension: personality development (linked to positive traits such as open-mindedness and tolerance). Of course, not all parents hold the same attitudes. In another study of qualitative survey data (Kircher et al. in preparation), we compared parents transmitting two societal languages in Canada, parents transmitting one societal and one immigrant heritage language in the U.S., and parents transmitting one societal and one autochthonous heritage language in Germany. The results highlight that parental attitudes towards childhood multilingualism are not only context-dependent but also influenced by the combination of languages transmitted. Finally, I will present a new quantitative survey study conducted in Germany and the Netherlands (Kircher et al. in preparation). The findings not only confirm the multidimensionality of parental attitudes towards childhood multilingualism – they also allow for nuanced insights into the extent to which attitudes on each dimension predict parents’ decision to raise their children with multiple languages. I will conclude by considering how these findings can contribute to the development of support measures for parents raising multilingual children.

 

Ruth Kircher (European Centre for Minority Issues, Flensburg)

Ruth Kircher ist Senior Researcher am European Centre for Minority Issues (ECMI) in Flensburg. Darüber hinaus ist sie als affiliierte Associate Professor im Department of Psychology der Concordia University in Montreal tätig und gehört dem Canadian Centre for Studies and Research on Bilingualism and Language Planning (CCERBAL) der University of Ottawa als assoziiertes Mitglied an. Als Soziolinguistin mit Schwerpunkt auf Mehrsprachigkeit und Minderheitensprachen widmet sie sich drei zentralen Forschungsbereichen: (1) Einstellungen und Ideologien gegenüber Sprache, (2) Sprachpolitik und -planung auf gesellschaftlicher Ebene, (3) Familiäre Sprachpolitik und Weitergabe von Sprache zwischen den Generationen. Ihre Studien umfassen vielfältige nordamerikanische und europäische Kontexte. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel, Buchkapitel und Forschungsberichte veröffentlicht und ist Mitherausgeberin des Bandes Research Methods in Language Attitudes (CUP 2022).


Tillmann Pistor

Der Raum, der Laut, der Mensch – Zur Rolle lautlicher Variation in Spracheinstellungen im DACH-Raum

 

Die empirisch wie theoretisch gut ausgebaute internationale Spracheinstellungsforschung hat gezeigt, dass Einstellungen gegenüber regionalen Varietäten auf einem Zusammenspiel sozialer und sprachlicher Dimensionen beruhen. Erklärungsansätze stellen dabei etwa Lautsymbolik und Phonästhetik, regionale und nationale Stereotype, Prestige und sprachliche Normen sowie Bekanntheit und Ähnlichkeit ins Zentrum (vgl. [1, 2, 4, 5, 7, 8, 9]). Als standalone-Ansätze greifen sie jedoch zu kurz, wenn es darum geht zu erklären, wie regionale Sprache mit sozialer Bedeutung verknüpft wird. Das SNF-Projekt Sound Effects setzt hier an und versucht anhand regionaler Varietäten aus zwölf Zielregionen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz (DACH), kognitive, sprachliche und soziale Komponenten lautlicher Variation experimentell voneinander zu trennen und sie hinterher in einem integrativen Modellansatz zur Entstehung von Spracheinstellungen zu einen. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass soziale Bedeutungen innerhalb regionaler Varietäten an konkrete lautliche Merkmale geknüpft werden.

Der Vortrag gibt Einblick in erste Ergebnisse aus der (0) explorativen und (I) ersten Testphase des Projekts.

In der (0) explorativen Studie bewerteten 297 Proband:innen jeweils einen Sprecher aus den zwölf Zielregionen anhand von ca. 18-sekündigen Ausschnitten aus freien Gesprächen, gaben ihre subjektiv auffälligsten Sprachmerkmale an und verorteten den Sprecher per Click-Task auf einer Karte. Dieser Ansatz erlaubt es, die relevantesten sozialen Bewertungskategorien sowie subjektiv perzipierte Merkmale über drei Länder hinweg bottom-up zu erfassen, sie mit jenen aus der Forschungsliteratur abzugleichen und sie anhand der Verortungsaufgabe mit den präva-lenten kognitiven Sprachraumkonzepten der Proband:innen in Beziehung zu setzen.

In der darauf aufbauenden (I) ersten Testphase wird überprüft, welche lautlichen Merkmale im DACH-Raum aus (0) für welche Hörer:innengruppen zunächst diskriminierbar und dann besonders stark mit den aus (0) elizitierten Bewertungskategorien verbunden sind. In einem kombinierten ABX-Diskriminations- und Binary-Association-Test (vgl. [3, 6]) bewerten 80 Personen je Zielregion (N = 960) insgesamt 94 ausgewählte regionale phonetische Varianten aus Vokalismus, Konsonantismus und Prosodie. Die Varianten werden hierbei in bedeutungsfreien Kunstwörtern (etwa roff, baff, imel, wöck) implementiert, um lexikalische Einflüsse und projizierte Dialektstereotype möglichst auszuschliessen.

So lässt sich einerseits untersuchen, welche lautlichen Oppositionen nicht nur überhaupt wahrgenommen, sondern auch abseits regionaler Stereotype mit sozialen Kategorien verknüpft werden, und andererseits, inwieweit und unter welchen Bedingungen einzelne phonetische Merkmale letztlich zur Herausbildung von Einstellungen beitragen.

 

Literatur

[1] Giles, H., Bourhis R. & Davis, A. (1979). Prestige Speech Styles: The Imposed Norm and Inherent Value Hypotheses. In W. C. McCormack & S. A. Wurm (eds.). Language and Society: Anthropological Issues. The Hague: Mouton, 589–596.

[2] Giles, H., & Niedzielski, N. (1998). Italian is beautiful, German is ugly. In L. Bauer & P. Trudgill (eds.). Lan-guage Myths. London: Penguin, 85–93.

[3] Greenaway, R. E. (2017). ABX Discrimination Task. In L. Rogers (ed.): Discrimination Testing in Sensory Science. Elsevier, 267–288.

[4] Lockwood, G. & Dingemanse, M. (2015). Iconicity in the lab: a review of behavioral, developmental, and neuroimaging research into sound-symbolism. Frontiers in Psychology 6:1246.

[5] Mooshammer, C., Bobeck, D., Hornecker, H., Meinhardt, K., Olina, O., Walch, M. C. & Xia, Q. (2023). Does Orkish Sound Evil? Perception of Fantasy Languages and Their Phonetic and Phonological Characteristics. Language and Speech 67(4), 961–1000.

[6] Pistor, T. & Leemann, A. (2024). Echoes of Implicit Bias. Exploring Aesthetics and Social Meanings of Swiss German Dialect Features. Proceedings Interspeech 2024 (Kos, Greece), 447–451

[7] Van Bezooijen, R. (2002). Aesthetic evaluation of Dutch. In D. Long & D. R. Preston (eds.): Handbook of perceptual dialectology Vol. 2. Amsterdam, Philadelphia: John Benjamins, 13–30.

[8] Winkler, A., Kogan, V. V., & Reiterer, S. M. (2023). Phonaesthetics and personality – Why we do not only prefer Romance languages. Frontiers in Language Sciences 2:1043619.

[9] Winter, B. (2025). The size and shape of sound: The role of articulation and acoustics in iconicity and crossmodal correspondences. Journal of the Acoustical Society of America 157, 2636–2656.

 

Tillmann Pistor (Universität Bern)

Tillmann Pistor ist Advanced Postdoc für Germanistische Soziolinguistik an der Universität Bern. Seine Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Phonetik, Sprachgeographie und soziolinguistischer Variation, mit einem besonderen Fokus auf der Soziophonetik. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie regionale Sprachmerkmale als soziale Marker fungieren und welche Rolle sie bei der Formung und Verhandlung von Spracheinstellungen und Identitäten spielen. Aktuell leitet Tillmann die Arbeitsgruppe im SNF-Projekt „Sound Effects“, das die Entstehung sozialer Bedeutung von lautlicher Variation im DACH-Raum untersucht. Er ist Experte für Prosodie und beschäftigt sich darüber hinaus in verschiedenen Projekten mit Fragen der linguistischen Gerechtigkeit in mehrsprachigen Regionen und Sicht-barkeit von Genderdiversität bei Personenreferenzen im öffentlichen Raum.


Stefan Hauser

Spracheinstellungen und sprachliche Ordnungen in der Schule

 

Spracheinstellungen sind keine Randphänomene des Sprachgebrauchs – das gilt auch für die schulische Perspektive auf Sprache(n). Institutionell verankerte Einstellungen und Überzeugungen zu Sprache und Sprachgebrauch strukturieren soziale Zugehörigkeit, schulische Teilhabe und Vorstellungen sprachlicher Legitimität – und damit zentrale Bildungsprozesse. Schule ist in diesem Sinne nicht nur ein Ort des Spracherwerbs und der Vermittlung sprachlicher Kompetenzen, sondern auch ein Ort sprachlicher Ordnung. In schulischen Kontexten wird – explizit wie implizit – vermittelt und ausgehandelt, welche sprachlichen Formen und Praktiken als angemessen, korrekt, bildungssprachlich oder wertvoll gelten. Damit geraten Schule und Sprachunterricht in Spannungsfelder, die sich nicht ohne Weiteres auflösen lassen: zwischen Normorientierung und Offenheit, zwischen Förderung und Bewertung, zwischen sprachlicher Vielfalt und institutionellen Erwartungen sowie zwischen Authentizität und Standardisierung.

Der Vortrag geht der Frage nach, wie solche Spannungsverhältnisse durch Spracheinstellungen geprägt werden und welche Folgen sich daraus für sprachdidaktisches Handeln ergeben. Am Beispiel des Verhältnisses von Dialekt und Standardsprache in der Deutschschweiz, aber auch mit Blick auf weitere schulische Sprachpraktiken (z.B. Interaktion im Klassenrat) soll gezeigt werden, dass sprachliche Normen einerseits eine notwendige Voraussetzung für Orientierung, Verständigung und Bildungsteilhabe darstellen, andererseits aber auch Mechanismen der Ein- und Ausgrenzung hervorbringen können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Lehrpersonen, die als Vermittlungsinstanzen sprachlicher Normen und in diesem Sinne auch als sprachliche Gatekeeper agieren. Sie reproduzieren sprachliche Ordnungen, können diese aber zugleich sichtbar machen, relativieren und reflexiv zugänglich machen.

 

Stefan Hauser (Pädagogische Hochschule Zug/Universität Zürich) 

Stefan Hauser ist Leiter Forschung und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Zug sowie Titularprofessor am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Während elf Jahren leitete er an der PH Zug das Zentrum Mündlichkeit und befasste sich mit schul- und unterrichtsbezogenen Fragestellungen, die im Schnittfeld von Linguistik und Sprachdidaktik liegen. Zu seinen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte gehören Themenbereiche wie der Erwerb argumentativer Gesprächskompetenz, schulische Elterngespräche, Sprache und Partizipation sowie Lernen im Gespräch. Darüber hinaus beschäftigt er sich in zahlreichen Publikationen und Referaten mit medien- und kulturlinguistischen Fragestellungen zur Musterhaftigkeit sprachlichen Handelns in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten, etwa zu sprachlichen Ritualen, Fankommunikation und Sprache in sozialen Medien. Neben seiner Tätigkeit in verschiedenen wissenschaftlichen Gremien im In- und Ausland ist er Mitbegründer der neu gegründeten Zeitschrift für Kulturlinguistik.

Anmeldung

Anmeldung für Teilnehmende mit eigenem Beitrag

Die Anmeldung über ConfTool öffnet am 09. Oktober 2026 und schliesst am 01. Dezember 2026.

 

Anmeldung für Teilnehmende ohne eigenen Beitrag

Die Anmeldung über ConfTool öffnet am 09. Oktober 2026 und schliesst am 17. Januar 2027.

 



Tagungsgebühren: 60 CHF; darin enthalten sind die Kaffeepausen sowie zwei Mittagessen.

Konferenzdinner: 60 CHF; Informationen zum Lokal folgen.

Praktische Informationen

Die Tagung findet in den Räumlichkeiten der PH Graubünden am Standort Scalärastrasse statt. Informationen zur Anfahrt finden sich hier.

 

Unterkünfte mit Kontingent/Rabatten (bitte «Tagung VALS-ASLA PH Graubünden» bei Buchung erwähnen)

Wissenschaftliches Komitee

  • Adam-Graf Noemi - Institut für Kulturforschung Graubünden
  • Avanzi Mathieu - Université de Neuchâtel
  • Baranzini Laura - Osservatorio linguistico della Svizzera italiana
  • Berchio Giulia - Pädagogische Hochschule Graubünden/Institut für Mehrsprachigkeit
  • Berthele Raphael - Université de Fribourg
  • Breimaier Federica - Universität Zürich
  • Büchler Andrin - Pädagogische Hochschule Graubünden
  • Casoni Matteo - Osservatorio linguistico della Svizzera italiana
  • Cathomas Claudia - Institut für Kulturforschung Graubünden
  • Cathomas Rico - Pädagogische Hochschule Graubünden
  • Christopher Sabine - Osservatorio linguistico della Svizzera italiana
  • Corino Elisa - Università degli Studi di Torino
  • Crameri Stefania - Pädagogische Hochschule Graubünden
  • De Stefani Elwys - Universität Heidelberg
  • Giudici Alberto - Sveučilište u Rijeci
  • Goria Eugenio - Università degli Studi di Torino
  • Imhof Andreas - Pädagogische Hochschule Graubünden
  • Leemann Adrian - Universität Bern
  • Levon Erez - Universität Bern
  • Lucchetti Cristiana - Universität Zürich
  • Manno Giuseppe - Fachhochschule Nordwestschweiz
  • Mondada Lorenza - Universität Basel
  • Morand Marie-Anne - Institut für Mehrsprachigkeit
  • Moskopf-Janner Maria Chiara - Pädagogische Hochschule Graubünden
  • Negrinelli Stefano - Pädagogische Hochschule Graubünden/Institut Dicziunari Rumantsch Grischun
  • Rodríguez García Marta - Universität Bern
  • Schmidlin Regula - Université de Fribourg
  • Steiner Carina - Pädagogische Hochschule Bern
  • Studer Thomas - Université de Fribourg
  • Thomas Anita - Université de Fribourg
  • Todisco Vincenzo - Pädagogische Hochschule Graubünden 
  • Videsott Ruth - Libera Università di Bolzano
  • Zimmermann Martina - Haute école pédagogique du canton de Vaud

Sponsoren

Kontakt

Für Rückfragen und weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

VALS_ASLA2027@phgr.ch

 

 

Professur: Italienisch und Italienischdidaktik

Im Zentrum der Professur steht die Forschung zur italienischen Sprache und zur Fachdidaktik von Italienisch als Schul- und Fremdsprache. Der Fokus liegt auf den Italienischunterricht im mehrsprachigen Kontext Graubündens und der Schweiz. Aktuelle Projekte beschäftigen sich mit der Rolle des Italienischen als Minderheitensprache in Graubünden, sowohl in der Schule als auch in der Gesellschaft. Die Professur widmet sich ausserdem der Entwicklung von Lehrmitteln für das Fach Italienisch als Schul- und Fremdsprache auf Primar- und Sekundarstufe I.

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Professur: Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik

Die Professur für Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik ist in den Fachbereichen Erziehungswissenschaft/Bildungsforschung und Angewandte Linguistik angesiedelt. Sie bewegt sich an der Schnittstelle zwischen allgemeiner Didaktik, fachdidaktischer Forschung und angewandter rätoromanischer Sozio- und Bildungslinguistik. Der Schwerpunkt der Professur liegt (derzeit) in der Entwicklung und Erforschung rätoromanischer Lehrmittel.

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