Sommercamps an der PH Graubünden
i-CAMPs und Schreib-CAMP: Wo Roboter Wege finden und Geschichten wachsen

Einen Roboter programmieren oder lieber eine Geschichte erfinden? An den Sommercamps der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR) konnten Kinder und Jugendliche wählen. Rund 70 Teilnehmende arbeiteten an Lösungen und kniffligen Aufgaben oder brachten ihre eigenen Figuren und Geschichten zu Papier. Dabei lernten nicht nur die Kinder: Mehr als 20 Studierende sammelten wertvolle Erfahrungen für ihren späteren Unterricht.

Wie findet ein Roboter selbständig den Weg durch ein Labyrinth? Und was braucht eine Geschichte, damit sie spannend wird? In den i-CAMPs und im Schreib-CAMP an der Pädagogischen Hochschule Graubünden suchten Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedliche Weise Antworten.

 

Archäologie trifft auf Robotik

In den i-CAMPs beschäftigten sich 55 Schülerinnen und Schüler der 3. bis 9. Klasse vier Tage lang mit Archäologie und Robotik. Der diesjährige Schwerpunkt orientierte sich am Jahresthema der internationalen First Lego League. In drei alters- und erfahrungsgerecht zusammengesetzten Levels bauten die Teilnehmenden LEGO-Roboter und programmierten sie so, dass sie Aufgaben selbständig lösen konnten. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Roboter so zu programmieren, dass sie selbständig den Weg durch unterschiedlich aufgebaute Labyrinthe fanden.

Dabei ging es nicht allein um die fertige Lösung, sondern vor allem um den Weg dorthin. Prof. Dr. Matthias Müller ist Leiter der Professur für Mathematikdidaktik an der PH Graubünden. Das Ziel sei, dass sich die Kinder intensiv mit den Problemstellungen auseinandersetzen. «Dabei entwickeln sie unterschiedliche Strategien, um sie zu lösen». Besonders beeindruckt habe ihn, mit welchem Einsatz sich die Kinder den Aufgaben gewidmet hätten. «Einige arbeiteten sogar während der Mittagspause weiter, weil sie unbedingt herausfinden wollten, wie es funktioniert.»

Begleitet wurden die Kinder von Dozierenden sowie von mehr als 20 Studierenden. Diese konnten ihre fachlichen und fachdidaktischen Fähigkeiten in einer realen Lernsituation weiterentwickeln. Die Studentin Céline Bruggmann nimmt für ihren eigenen Unterricht denn auch wertvolle Erfahrungen aus den i-CAMPs mit. «Gibt man den Kindern Raum, regt sie zum Nachdenken an und lässt sie selbständig ausprobieren, entwickeln sie ihre Motivation von selbst – und lernen dabei viel», sagt sie. Ähnlich erlebte es die neunjährige Ava: «Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, zuerst selbst etwas auszuprobieren, wenn man nicht weiterweiss, statt gleich jemanden um Hilfe zu fragen.»

 

Freiraum für eigene Geschichten

Raum, um Ideen und Inspiration zu sammeln und kreativ sein, bot das zweitägige Schreib-CAMP der PH Graubünden. Anstatt um Roboter und Programmierbefehle, ging es hier um Charaktere, Konflikte und überraschende Wendungen. Das Angebot stand erstmals Schülerinnen und Schüler bis zur 9. Klasse offen. Schreiben konnten sie auf Deutsch, Italienisch oder Romanisch.

Kurze Inputs und Übungen wechselten sich mit längeren Schreibphasen ab. Die Teilnehmenden entwickelten Figuren, gaben ihnen Wünsche und Ziele und überlegten, welche Hindernisse und Gefahren diese dabei überwinden müssen. Vorgaben, Rechtschreibung und Grammatik rückten dabei bewusst in den Hintergrund, wie Patrizia Parolini, Kursleiterin, Autorin und Schreibpädagogin, sagt. «Die Kinder dürfen ihre Geschichten frei aufschreiben und ihrer Fantasie Raum geben. Mich beeindruckt immer wieder, wie reif und vielschichtig manche Texte sind, obwohl ihre Autorinnen und Autoren noch sehr jung sind.»

So entstand eine grosse Themenvielfalt: von einer Detektivgeschichte über eine Katzenfamilie und eine Pferdegeschichte bis zum Leben einer Münze. Diese Freiheit kam auch bei den 16 teilnehmenden Kindern gut an. «Am coolsten finde ich, dass es beim Schreiben keine festen Regeln gibt. Man kann seine Gedanken zu Papier bringen und seiner Fantasie freien Lauf lassen», sagt der zwölfjährige Lysander, der im Camp an einer Kriminalgeschichte arbeitete. Den Abschluss des Camps bildete eine Lesung vor Familien und Freunden. Dort stellten die Teilnehmenden einen Ausschnitt aus der eigenen Geschichte vor.

 

Unterschiedliche Interessen, ein gemeinsames Ziel

Die beiden Sommercamps sprachen unterschiedliche Interessen an, verfolgten aber ein gemeinsames Ziel: Kindern und Jugendlichen Zeit, Raum und fachkundige Begleitung zu geben, damit sie eigene Ideen entwickeln und ihnen vertrauen können. Zugleich boten sie angehenden Lehrpersonen die Gelegenheit, Lernprozesse aus nächster Nähe zu begleiten und daraus Impulse für ihren späteren Unterricht mitzunehmen.

Forschung & Entwicklung: MINT-Projekte

Mit der MINT-Förderung setzt sich die PH Graubünden zum Ziel, dass angehende wie auch erfahrene Lehrpersonen die neuen Technologien kennen, diese anwenden und im Unterricht einsetzen können. Die Lehrer:innen werden für MINT-Inhalte begeistert und befähigt, diese Kompetenzen ihrer Schüler:innen wirksam zu fördern.

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Professur: Mathematikdidaktik

Die Professur für Mathematikdidaktik sowie die Arbeitsgruppe MINT setzt sich für die Lehre und Forschung in der Mathematik und der Informatik ein. Die Mitglieder der Gruppe sind in der Lehre an verschiedenen Modulen der Mathematik und der Informatik beteiligt und bieten zudem regelmässige Weiterbildungen an. In der Forschung stehen aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen zum Lehren und Lernen mit digitalen Mathematikwerkzeugen sowie zu ausserschulischen MINT-Lernorten im Fokus. Das schliesst auch die Entwicklung und Erprobung von unterrichtsnahen digitalen Lernumgebungen ein.

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