Rund jedes dritte Kind war schon einmal dabei: Von den 137 Schüler:innen, die sich für die diesjährige Bündner MINT-Woche anmeldeten, nahmen 48 bereits mindestens zum zweiten Mal teil. 89 Kinder meldeten sich erstmals an. Der Mädchenanteil lag mit etwa 30 Prozent etwas tiefer als im Vorjahr.
Während der MINT-Woche beschäftigten sich die Kinder mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) und lösten gemeinsam praxisnahe Aufgaben. An der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR) lernten sie spielerisch die Grundlagen kennen. Wie diese in der Berufswelt angewendet werden, erlebten sie bei 14 Kooperationspartner aus der Bündner Wirtschaft. So erfuhren die Teilnehmer:innen beispielsweise, wozu mathematische Kenntnisse oder Programmierfähigkeiten in der Praxis gebraucht werden, und erhielten Einblicke in verschiedene technische Berufe. Je nach Angebot lernten sie, wie aus Kunststoffgranulat ein fertiges Bauteil entsteht, wie sich Strom aus Wasser, Wind oder Sonnenenergie gewinnen lässt und wie man einen Roboter programmiert, damit er selbständig Aufgaben löst.
Von der LED-Lampe bis zum Kraftwerk
Das Programm der Bündner MINT-Woche war über verschiedene Regionen des Kantons verteilt. Bei der Graubündner Kantonalbank und Inventx in Chur beschäftigten sich die Kinder mit Informatik, digitalen Prozessen und Sicherheitsfragen. Bei Hamilton in Bonaduz löteten sie Leiterplatten, programmierten und fertigten ein eigenes Produkt an. Bei der Rhätischen Bahn und login Berufsbildung in Landquart stellten sie Werkstücke und Steuerungen her und erhielten Einblicke in die Hauptwerkstätte der RhB. An der PHGR beschäftigten sie sich unter anderem mit LEGO-Robotern, Smartphone-Apps und mathematischen Aufgaben.
Weitere Angebote fanden im Val Poschiavo und im Val Müstair statt. Im Val Poschiavo beschäftigten sich die Kinder während eines MINT-Camps bei Repower mit erneuerbaren Energien. Im Val Müstair gestalteten 13 Kinder aus der Region gemeinsam mit der Biosfera Val Müstair und drei regionalen Unternehmen Gehstelzen: Bei der Aimara AG entwickelten sie das Design, bei der Tschenett AG fertigten sie die Einzelteile und in der Schreinerei der Pichalain AG bauten sie diese schliesslich zusammen. Damit war die Bündner MINT-Woche in allen drei Sprachregionen des Kantons vertreten und bot Aktivitäten auf Deutsch, Romanisch und Italienisch an.
Gemeinsam tüfteln und Lösungen finden
Bei der Bündner MINT-Woche geht es nicht nur darum, technische Geräte kennenzulernen oder Werkstücke herzustellen. Die Kinder setzen sich mit offenen Problemstellungen auseinander und entwickeln gemeinsam neue Lösungswege. Dabei fördern sie ihre fachlichen MINT-Kompetenzen und gleichzeitig ihre überfachlichen Kompetenzen, wie personale, soziale und methodische Kompetenzen.
Eine Besonderheit der Bündner MINT-Woche ist die enge Zusammenarbeit zwischen Bildung und Wirtschaft. Lernende und Fachpersonen der beteiligten Unternehmen, Studierende der PHGR und erfahrene Lehrpersonen begleiten die Kinder gemeinsam. Für die angehenden Lehrpersonen bietet das Projekt die Gelegenheit, praktische Erfahrungen in der Vermittlung von MINT-Inhalten zu sammeln. Die Erkenntnisse aus der MINT-Woche fliessen zudem in die Weiterbildung von Lehrpersonen ein. Gleichzeitig ermöglicht das Projekt der PH Graubünden, die Wirksamkeit der Lernangebote wissenschaftlich zu überprüfen.
«Für das Gelingen der Bündner MINT-Woche arbeiten Menschen zusammen, die im Alltag nur wenige Berührungspunkte haben», sagt Beatrice Koller, Projektleiterin der Bündner MINT-Woche. «Besonders schön sind die leuchtenden Augen der Kinder, wenn sie ihre Entdeckungen teilen oder stolz ein Werkstück präsentieren. Gleichzeitig können angehende Lehrpersonen erleben, wie sie mit ihrem pädagogischen Handeln etwas bewirken.»
Seit über zehn Jahren gemeinsam für den MINT-Nachwuchs
Die Bündner MINT-Woche ist seit mehr als zehn Jahren etabliert. Die PHGR organisiert das Angebot gemeinsam mit Partnern aus der Bündner Wirtschaft. Die Zusammenarbeit ermöglicht Kindern aus verschiedenen Regionen des Kantons, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ausserhalb des Schulzimmers kennenzulernen und unterschiedliche Berufsfelder zu entdecken.
Mit der Bündner MINT-Woche leisten die PHGR und ihre Kooperationspartner einen Beitrag zu einer langfristigen MINT-Förderung und zur Nachwuchsförderung in technischen Berufen.